Über die Suche

Die Zehn Stiere des Zen

Die Geschichte der “Zehn Stiere des Zen” stammt aus China und ist so alt, dass niemand ihren Ursprung kennt. Der Stier symbolisiert die ursprüngliche Lebens- und Kraftquelle des Menschen. Es geht um die Reise des Menschen, um unsere Suche nach uns Selbst.

“Die Wahrheit ist auf manche Weise ausgedrückt worden, und es hat sich immer wieder gezeigt: Man kann anstellen was man will, sie bleibt trotzdem unausgedrückt… …Die “Zehn Zen-Stiere” stellen den einmaligen Versuch dar, das Unausdrückbare auszudrücken…” Osho, Auf der Suche #1

 

Die Suche nach dem Stier
Im Weidegrund dieser Welt
Biege ich unermüdlich die hohlen Halme beiseite,
auf der Suche nach dem Stier.
Namenlosen Flüssen folgend,
verirrt auf den verworrenen Pfaden ferner Gebirge,
kraftlos und lebensmüde, kann ich den Stier nicht finden.
Ich höre nur die Grillen durch den nächtlichen Wald zirpen. 
Kommentar:
Der Stier ist nie verlorengegangen. Wozu ihn also suchen? Nur weil ich von meiner wahren Natur abgeschnitten bin, vermag ich ihn nicht zu finden. In meiner Sinnesverwirrung verliere ich sogar seine Fährte. Weit von der Heimat entfernt weiß ich vor lauter Kreuzwegen nicht, welcher Pfad der richtige ist. Ich bin verstrickt in Gier und Angst, in Gut und Böse.
 Das Entdecken der Spuren
Am Flußufer entlang, unter den Bäumen,

entdeckte ich Spuren!
Sogar unter dem duftenden Grase,
entdecke ich seine Fährte.
Tief in fernen Gebirgen wird sie gefunden.
Die Fährte ist so wenig zu übersehen, wie die eigene Nase,
die zum Himmel hochblickt.Kommentar:
Im Augenblick, da ich die Lehre verstehe, sehe ich die Spuren des Stiers. Später lerne ich, dass ebenso, wie aus einem einzigen Metall viele Werkzeuge gemacht sind, so auch Myriaden von Einzelwesen aus dem Stoff des Selbst gemacht sind. Wie kann ich, solange ich noch nicht klar sehe, da Wahre vom Unwahren unterscheiden? Zwar bin ich noch nicht durch das Tor getreten, doch den Pfad habe ich jetzt erkannt.
 Der Stier wird entdeckt
Ich höre das Lied der Nachtigall.

Die Sonne ist warm, der Wind ist lau,
die Weidenbäume sind grün am Fluß entlang.
Hier kann sich kein Stier verstecken!
Welcher Künstler vermag diese mächtige Stirn zu zeichnen,
und dies majestätische Gehörn?Kommentar:
Sobald man die Stimme hört, spürt man woher sie kommt. Sobald die sechs Sinne verschmelzen hat man das Tor durchschritten. Von wo man auch eintritt, überall sieht man den Kopf des Stiers. Diese Einheit ist wie das Salz im Wasser, wie der Fabrstoff in der Farbe. Nicht das geringste Ding ist abgetrennt vom Selbst.
Der Stier wird gefangen
Mit ungeheurem Kampf fange ich ihn.

Seine große Willenskraft und Macht sind unerschöpflich.
Er galoppiert zum Felsenplateau hinauf,hoch über dem Wolkendunst;
oder steht in unwegsamer Schlucht.
Kommentar:
Er wohnte lange Zeit im Wald, aber heute fing ich ihn! Verliebt in schöne Ausblicke, verliert er seine Richtung. Voll Sehnsucht nach süßerem, Gras, wandert er ab. Sein Sinn ist noch bockig und ungezügelt. Wenn ich will, dass er sich fügt, muss ich meine Peitsche heben.
Der Stier wird gezähmt
Peitsche und Strick sind notwendig, sonst könnte er sich irgendwo auf staubiger Straße davonmachen.

Gut geschult, wird er von Natur aus sanft.
Auch ohne Zügel hört er dann auf seinen Meister.Kommentar:
Wo ein Gedanke aufkommt, folgt ein zweiter nach. Kommt der erste gedanke aus erleuchtung, so sind alle folgenden wahr. Durch Verblendung macht man alles unwahr. Verblendung ist nicht in Objektivität begründet. Sie folgt aus Subjektivität. Laß den Nasenring nicht los, laß nicht einmal einen Zweifel zu.
 Der Heimritt auf dem Stier
Auf dem Stier sitzend, kehre ich langsam heim.

Die Stimme meiner Flöte ertönt durch den Abend.
Ich schlage mit meinen Händen den Takt zum Puls dieser Harmonie,
den nicht endenden Rhythmus dirigierend.

Wer immer diese Weise hört, schließt sich mir an.Kommentar:
Dieser Kampf ist vorüber. Gewinn und Verlust sind ausgewogen. Ich stimme den Gesang des dörflichen Holzfällers an und spiele die Lieder der Kinder. Auf dem Stier reitend schau ich empor zu den Wolken. Ich reite zu – mag mich zurückrufen wer will.
 Der Stier ist transzendiert
Auf dem Rücken des Stieres kehre ich heim.
Ich bin heiter. Auch der Stier kann sich ausruhen.
Der Morgen dämmert, und selig ruhend habe ich in meinem strohgedeckten Haus Peitsche und Strick beiseite gelegt.Kommentar:
Alles ist ein Gesetz nicht zwei. Wir machen den Stier nur eine Zeitlang zu unserm Gegenstand. Es ist wie die Beziehung zwischen Hase und Falle, zwischen Fisch und Netz. Oder es ist wie Gold und Schlacke, oder wie der Mond, der aus einer Wolke auftaucht. Eine einzige Bahn klaren Lichts reist unentwegt durch die endlose Zeit.
 Stier und Selbst sind transzendiert
Peitsche, Strick, Mensch und Stier – alles wird zu Nichts.

Dieser Himmel ist so grenzenlos –
Keine Botschaft kann ihn beflecken.
Wie kann eine Schneeflocke in wütendem Feuer leben?
Hier finden sih die Fußspuren der Patriarchen.Kommentar:
Alles Mittelmaß ist fort, der Geist ist frei von Begrenztheit. Ich suche keinen Zustand von Erleuchtung. Aber auch dort, wo keine Erleuchtung ist, bin ich nicht mehr. Da ich weder hier noch dort weile, können keine Augen mich sehen. Schwärme von Vögeln könnten mir Blüten auf den weg streuen – es wäre eine bedeutungslose Ehre.
 Rückkehr zur Quelle
Zu viele Schritte sind getan worden, um zur Wurzel und Quelle zurückzukehren.

Besser, man wäre von Anfang an blind und taub gewesen!
Wohnend, wo man wirklich hingehört, unbekümmert ums Äußere – der Fluß zieht gelassen weiter, und die Blumen sind rot.Kommentar:
Von Anfang an ist die Wahrheit klar. Schweigend sitze ich da und betrachte die Formen der Gestaltung und Auflösung. Einer, der nicht an Form gebunden ist, braucht nicht neu geformt zu werden. Das Wasser ist smaragden, der Berg tiefblau, und ich sehe das Erzeugende und das Zerstörende.
In der Welt
Barfuß und mit bloßer Brust mische ich mich unter die Menschen der Welt.

Meine Kleider sind zerlumpt und staubig, und ich bin immerzu selig.
Ich brauche keinen Zauber, um mein Leben zu verlängern.
Nun werden vor meinen Augen die Bäume lebendig.Kommentar:
Innerhalb meiner Pforten kennen mich tausend Weise nicht. Die Schönheit meines Gartens ist unsichtbar. Wozu nach den Fußspuren der Patriarchen suchen? Ich gehe zum Markt mit meiner Flasche und kehre heim mit meinem Stab. Ich suche den Weinladen und den Marktplatz auf, und wen ich auch ansehe, wird erleuchtet.

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